Grüß Gott in Mähring

Seite druckenDruckversion dieser Seite

Aktuelles:

17.12.17 15:37

Marktgemeinderatssitzung im Januar 2018

Die nächste Marktgemeinderatssitzung findet statt am Montag, den 22.01.2018 ab 19:30 Uhr...


Start Adresse

z.B. berlin kochweg 10
Zieladresse
Markt Mähring
Großkonreuth 24|95695 Mähring

Ein Amulett gegen Teufelswerk

In einer Nische im Schnittpunkt der Kreuzbalken von Malzers Kreuz (Fam. Ernstberger, Frauenreuth 10) werden viele gesegneten Gegenstände bestens verwahrt: Amulette, Kreuzchen und Briefe finden dort schon seit 1934 ihren Platz. Diese Utensilien wurden auch bei Kreuzrenovierungen übernommen und mit neuen immer wieder ergänzt. Allen gesegneten Zubehörteilen ist eins gemeinsam, nämlich der Schutz der Familie und der eigenen Flur vor Unheil und Unwetter. Mit vielerlei Mitteln versuchte also die Familie, sich gegen Unglück und Gefahren, Krankheiten und alles „Böse“ abzusichern.

E
ines dieser Mittel in Malzers Kreuz ist ein besonderes Amulett. Es bietet gleich zwei Abwehrformeln gegen eine der bösartigsten Seuchen – die Pest – auf. In der Bevölkerung wurde es jedoch nicht nur gegen diese Gottesgeißel verwendet; gegen jede Art von Teufelswerk konnte es eingesetzt werden Dazu dienten auf der einen Seite des Medaillons der Benediktussegen und auf der anderen der Zachariassegen.

Benediktussegen

D
er hl. Benedikt, Patron Europas, ist vielen als Begründer des Benediktinerordens bekannt, der nach dem Wahlspruch „ora et labora“ lebte. Bevor er aber Abt seines Mönchswesens wurde, hatte er der Legende nach mit einigen Unannehmlichkeiten zu kämpfen. So versuchten die Mönche, die sich nicht mit seinen Regeln einverstanden erklärten, ihn zu vergiften. Er aber machte das Kreuzzeichen über den verpesteten Kelch und das Gift entwich in Form einer Schlange aus dem Gefäß.

Eine Legende, die sich auch im Benediktussegen niederschlug. Dieser findet sich in eben dieser „Numisma S. P. Benedicti“ – der Münze des heiligen Vaters Benedikt.

Das 3 cm große, aus Messingblech gestanzte Medaillon enthält Großbuchstaben, die als Abkürzungen für Segenssprüche gelten sollten, mit denen man auch die Flur schützen wollte, so weit das Kreuz schaute.

I
n dem ovalen Schild befindet sich ein gleichschenkliges Kreuz mit ausgeweiteten Enden, ein so genanntes Tatzenkreuz. In den Kreuzwinkeln stehen vier Großbuchstaben: C S P B
Die abgekürzten lateinischen Wörter bezeichnen den Gegenstand und bedeuten Crux Sancti Patris Benedicti: Das Kreuz des heiligen Vaters Benedikt.

Die Anfangsbuchstaben C S S M L senkrecht im Längstbalken und N D S M D waagrecht im Querbalken gelten für den Segensspruch:
C
rux Sacra Sit Mihi Lux – Heiligen Kreuz sei mein Licht.
Non Draco Sit Mihi Dux – Kein Teufel sei mein Führer.

In der Umschrift liest man eine wider den Teufel gerichteten Bannspruch gegen Besessenheit:

IHS. V . R . S . N . S . M . V . S . M . Q . L . I . V . B

Schreibt man die Abkürzungen aus, ergeben die lateinischen Buchstaben folgende lautmalerische Beschwörungsformel:

(IHS) . Vade . Retro . Satana . Numquam . Suade . Mihi . Vana . Sunt . Mala . Quae . Libas . Ipse . Venena . Bibas

Übersetzt heißt dieser Satz etwa so:
(die griechische Abkürzung für Jesus Christus). Weiche zurück, Satan! Niemals rate mir Untaugliches! Schlechtes ist, was du anbietest! Trinke selbst die Gifte!


Zachariassegen

A
uf der anderen Seite des Medaillons ist der Bischof Zacharias abgebildet, der von einer kreisförmigen und schildähnlichen Einstanzung halb verdeckt ist. Darin befinden sich 18 Buchstaben mit 7 eingeschobenen Kreuzchen. Diese Zeichen sollen von dem hl. Zacharias kommen, der Patriarch von Jerusalem ab dem Jahre 609 war.

Der Legende nach brach während des Konzils zu Trient im Frühjahr 1547 eine Pest aus, woraufhin der Hohe Kirchenrat eine Buchstabenfolge in Form eines Kreuzes sammelte, womit die Pest vertrieben werden konnte. Diese Anordnung der Buchstaben stammte vom heiligen Zacharias. 

Lange Zeit als abergläubisch verworfen, erfreute sich der Zachariassegen in der Volksfrömmigkeit immer größerer Beliebtheit und konnte sich bis in das 19. Jahrhundert erhalten. Die Wiedergabe des Segens erfolgte mit eben 25 Zeichen (18 Buchstaben + 7 Kreuzchen). In ihm ist noch etwas von einem Geheimcharakter zu spüren. Je unverständlicher die Zeichen waren, desto mehr glaubte man an die magische Wirkung. Besonders die geheimnisvolle Abkürzung des Segens durch Buchstaben auf Amuletten galt schon als Voraussetzung für seine schützende Zauberkraft.

Seine 25 Schriftzeichen sind die Satzanfänge von lateinischen Gebetsversen, die alle gegen die Pest ausgelegt werden. Der Zachariassegen ist also ein Pestsegen.

+ DIA + BIZ + Z + SAB + Z + HGF + BFRS

So lautet die vollständige Inschrift, die auf dieser Seite des Medaillons verkürzt als Zauberformel dargestellt ist. Die Bedeutung von nur zwei Buchstaben soll beispielhaft vollständig erklärt werden, da sich alle anderen Verse ausnahmslos demselben Thema, nämlich der Pestabwehr, zuwenden.

- Der erste Buchstabe D zum Beispiel steht für den Psalm:
Deus, deus meus, expelle pestem a me et a loco isto et libera me.
(Oh Gott, mein Gott, vertreibe die Pest von mir und von diesem Ort und befreie mich.)

- Das dritte Schriftzeichen A gilt für den Satz:
Ante coelum et terram Deus erat, et Deus potens est ab hanc peste me liberare.
(Bevor Himmel und Erde waren, war Gott; und Gott ist mächtig, mich von dieser Pest zu befreien.)

Die sieben Kreuzchen stehen allesamt für die Verse, die – wie soll es anders sein – mit dem Wort Crux (Kreuz) beginnen.

So enthält das vierte + folgendes Psalmzitat:

Crus Christi fuget daemones, aeram corruptum et pestem expellat.
(Das Kreuz Christi schlägt die Teufel in die Flucht, es vertreibt die schlechte Luft und die Pest.)

Auch heute sind solche Medaillons noch im Umlauf. In der Griesbacher Muttergottes-Grotte z.B. werden sie auf den Altartisch abgelegt. Anders als bei dem beschriebenen Amulett befindet sich auf der einen Seite zwar der Benediktussegen, auf der Rückseite jedoch ist nun der hl. Benedikt und nicht Bischof Zacharias zu sehen. In der rechten Hand hält Benedikt ein Kreuz, in der linken ein Buch seiner Mönchsregeln. Hinter ihm befinden sich auf der einen Seite ein Bescher mit Schlange und auf der anderen ein Rabe, der ein Brot im Schnabel trägt. Eingeprägt ist die lateinische Umschrift: EIVS IN OBITV NRO PRAE SENTIA MVNIAMVR, was übersetzt etwa bedeutet: Durch seine Gegenwart werden wir von unseren Untergang bewahrt.

Verfasser: Raimund Keis

Layout und Umsetzung mit CMS Typo3 | C3 marketing agentur GmbH
 Home | Sitemap | Kontakt | Impressum | Suche