Markt Mähring  | Donnerstag, 13. Dezember 2018
Druckversion der Seite: Ein Ausflug zu den Pestmälern bei der Groppenmühle
URL: www.maehring.de/marktgemeinde/geschichte/geschichte/heimatpflege/ein-ausflug-zu-den-pestmaelern-bei-der-groppenmuehle.html

Ein Ausflug zu den Pestmälern bei der Groppenmühle  

Die zwei Mühlen der Untergroppenmühle 

Zwei Kilometer nordwestlich von Griesbach in der Marktgemeinde Mähring liegt die Untergroppenmühle am Fuße des Mühlbühls im Tal des Griesbachs. Noch vor 40 Jahren drehten sich hier die Mühlräder.

Das benötigte Wasser wurde vom Griesbach in einen Graben abgeleitet, der an seinem Ende 8 m höher lag als die Mühle. Von der Bachabzweigung aus lief es in einer 17 m langen Holzrinne auf das erste Wasserrad. Dabei trieb es zwei Gänge an. Im Spitzgang wurde das Getreide geschält, im folgenden Mahlgang wurde es grob geschrotet. Gleich im Anschluss lief das Wasser auf das nächste Rad, das den zweiten Mahlgang in Schwung brachte, in dem das Korn fein ausgemahlen wurde. Beide Räder wurden oberschlächtig angetrieben. Nach Verlassen der Mühle leitete man das Wasser im Mühlgraben 200 m bachabwärts in eine nächste Mühle mit nur einem Wasserrad. Sie war aber keine Getreidemühle sondern eine Sägmühle mit einem einzigen Sägeblatt, von den Leuten Schneidsäge genannt. Dieses Bauwerk wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg abgerissen.

Beide unteren Mühlen sollen schon um das Jahr 1300 bestanden haben. Wahrscheinlich sind sie so alt wie der Ort Griesbach, der erstmals 1285 urkundlich erwähnt wurde.  

„Zu dieser Zeit hatten die Herren von Griesbach die Herrschaft vor Ort. Sie übten das Amt des Richters aus und nannten sich nach dem Bach Griesbach. Diese Herren von Griesbach erwarben auch Grundbesitz. 1369 verkaufte der Richter Reindel von Griesbach seine gesamten Besitzungen in Griesbach und Umgebung an das Kloster Waldsassen. Dazu gehörten sein Hof, sein Haus, seine Mühlen, seine Zehenten, die Öden Puch und Vorchheim mit Fischwasser, Feldern, Wald und Busch. Ein Jahr später kaufte der Sohn des Richters, Hans von Griesbach, den Hof zu Griesbach ... und die Mühl unter Griesbach gelegen ... zurück. Ende des 14. Jahrhunderts zinsten die Obermühl und Niedermühl den Bursarius (weltliche Abgabe ans Kloster). Das Übrige fiel der Pitanz zu (Abgabe an den Pfarrer).“

Mit großer Wahrscheinlichkeit sind also mit Obermühl und Niedermühl die Kornmühle und die Sägemühle auf der Untergroppenmühle gemeint.

Zwei besondere Kleindenkmäler befinden sich auf dem Grund des Untergroppenmüllners am Weg von Griesbach bzw. Lauterbach nach Redenbach. Gemeint sind der Peststein und das Rinderpest-Bildl (auch Mühlmarterl genannt). Die Namen dieser Flurmäler weisen eindeutig auf einen Zusammenhang mit der Pest hin. Auch das Pestkreuzl aus der Mühlkapelle, das jetzt im Haus aufbewahrt wird, und das Redenbacher Dorfkreuz müssen mit ihr in Verbindung gebracht werden. Diese vier Pestmäler befinden sich alle in einem Umkreis von knapp über einen Kilometer.

Groppenmühler Peststein 

Der Peststein steht heute am Kapellenacker direkt neben der alten Mühlkapelle aus dem Jahre 1822. Er ist ein 66 cm hoher Granitblock, auf dessen Vorderseite ein großflächiges Kreuz eingemeißelt ist, und somit auf eine Errichtungszeit im 18. Jh. hindeutet.

In die Sockeloberseite hat man eine nahezu quadratische Vertiefung gemeißelt, die anzeigt, dass in diesem Falz der vierkantige Schaft einer hohen Martersäule mittels eines Zapfens verankert gewesen sein muss. Anders als die meisten in der Gegend üblichen Steinmartern von solcher Größe besaß dieses Denk­mal also keinen runden Schaft, wie z. B. die Weiße Marter im Griesbacher Wald. Jene damalige Müllners Marter stand ursprünglich 150 m südlicher am alten Weg zwischen Mühl- und Zehentacker (an der heutigen Abzweigung zur Obergroppenmühle) und wurde an dieser Stelle wahrscheinlich 1803 durch die Säkularisation zerstört.

Nur der Steinsockel blieb erhalten, lag nutzlos am Rande einer Wegegabelung. Er hatte kaum mehr nur die Aufgaben, Vorübergehende zu einem Gebet für Verstorbene aufzufordern oder Müllners Felder zu schützen. Vielmehr weist der neue Name Peststein auf einen weiteren Verwendungszweck des Sockels hin: Jahre nach der Zerstörung der Martersäule sollte der Steinsockel die Einschleppung einer Pest, und zwar der Viehpest verhindern helfen.

Mühlmarterl oder Rinderpest-Bildl

Das Mühlmarterl befindet sich genau auf der Flurgrenze zwischen der Mühle und Redenbach. Das frühere Bildhäuschen ruhte auf einer 110 cm hohen Holzsäule. Noch vor kurzer Zeit wurde in dem blechgedeckten Schrein mit Giebeldach eine kleine holzgeschnitzte Madonnenfigur aufbewahrt. Davor war es ein Bild von Maria mit dem Kind. Das „Marterl“, eigentlich ein Bildbaum, wird auf ein Alter von mindestens 140 Jahren geschätzt und ist inzwischen schon einige Male - zuletzt 1997 - erneuert worden.

Auffallend ist die Entfernung des Bildbaums zur unteren Mühle. Das Mühlmarterl ist genau so weit - nämlich 400 m - von der Mühle weg, wie in der anderen Richtung der Peststein.

Damit das Vieh des Müllers nicht angesteckt würde, durften die Zugtiere, die das Getreide aus den umliegenden Ansiedlungen Griesbach, Redenbach und Lauterbach anlieferten, diesen Sicherheitsabstand zur Mühle nicht überschreiten.

Bemerkenswert ist aber vor allem auch die Tatsache, dass ältere Leute das Bildkästchen als Rinderpest-Bildl benennen. Gott und seine Heiligen sollten die Flur der frommen Müllerleute vor dem Einschleppen der Rinderpest bewahren.

Redenbacher Dorfkreuz 

Inmitten des Straßendorfes Redenbach, wo der alte Weg von Griesbach nach Poppenreuth den von Groppenmühle nach Mähring kreuzt, befindet sich ein Stein-Eisen-Kreuz mit einem 135 cm hohen gehauenen Granitsockel. Aufgesetzt ist ein in dieser Gegend übliches Gusseisenkreuz, das 115 cm hoch ist und reich verziert mit Lilienkreuzenden, Strahlenkranz und Christuskorpus. Im Altarblatt befindet sich eine vergoldete Madonna und im Sockel, der mit seinen Ornamenten auf ein Errichtungsjahr um 1880 hinweist, wurde folgende Inschrift eingraviert:

Errichtet | zur Ehre Gottes | Ortschaft | Redenbach

Damit ist das Redenbacher Kreuz das vermutlich einzige Kleindenkmal in der Marktgemeinde Mähring, das von der Bevölkerung eines Dorfes gestiftet wurde.

Obwohl es andernorts nicht unüblich war, sich an einem Dorfkreuz mangels eines fehlenden Gotteshauses zum Gebet zu versammeln, so scheint dieses Kreuz doch eine Besonderheit aufzuweisen: es sollte künftig die Rinderpest vom Ort fern halten.

Einige Redenbacher berichten spontan, wenn sie nach dem wahrscheinlichen Stiftungsanlass gefragt werden, dass das Kreuz aufgestellt worden ist, um die Rinderpest endgültig zu verbannen. Zuvor hätte diese Pest fast alles Vieh in ihren Ställen und auch im Nachbardorf Lauterbach dahingerafft. „Das Kreuz ist aufgestellt worden, weil wegen einer Pest fast alle Viecher gefreckt sind.“, erzählen einige Dorfbewohner.

(„Im Jahr 1799 herrschte eine allgemeine Viehseuche, durch welche alle Ställe ausgeleert wurden.“ – schreibt J. W. Wittmann in der Chronik der Pfarrei Großkonreuth, S. 19)

Die Sage dazu erzählt die Geschichte etwas anders

Als auf der Groppenmühle die Pest herrschte, stellte der Müllner an der alten Straße auf einen behauenen Säulensockel ein schwarzes selbstgemachtes kleines Standkreuz auf. Dies hieß für Reisende: Bis hierher und nicht weiter. Bis dorthin schafften die Bauern das Getreide, und der Müller stellte dort das Mehl ab. (aus „Sagen und Legenden im Landkreis Tirschenreuth“, Fähnrich).

Verfasser: Raimund Keis