Grüß Gott in Mähring

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Aktuelles:

27.08.18 15:44

Marktgemeinderatssitzung im September 2018

Die nächste Marktgemeinderatssitzung findet statt am Montag, den 24.09.2018 ab 19:30 Uhr...


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z.B. berlin kochweg 10
Zieladresse
Markt Mähring
Großkonreuth 24|95695 Mähring

Die Geschichte

Lohhäuser – das verschwundene Dorf (Name – Daten – Literatur)

Lohhäuser zählte 29 Häuser und rund 150 Einwohner. Die Gemeinde umfasste eine Fläche von gut dreizehn Quadratkilometern. Das Dorf besaß eine eigene Schule (Nr.4), zwei Gasthäuser (Nr.2/ Nr.10), zwei Mühlen (Nr.5/ Nr.17), ein Forsthaus (Nr.16) und zwei Hegerhäuser (Nr.20/ in Grafengrün Nr.19), zwei Kaufläden (Nr.21/ Nr.23), ein Tabakgeschäft (Nr.25) und ein Holzfuhrunternehmen (Nr.6/ Nr.26), früher auch eine Glashütte (Nr.18). Die meisten Menschen lebten vom Wald.

Von den 29 Häusern trug fast jedes einen eigenen Hausnamen (mit unterschiedlicher Schreibweise):

Haus-Nr.

Namen

Hausnamen

Haus-Nr.

Namen

Hausnamen

1

Lanzendörfer

Mühlkånas

16

Forsthaus

Forsthaus

2

Lanzendörfer

Pöllan

17

Huber

Loh Mühl

3

Zwerenz

Schoustån

18

Huber

Hüttn

4

Schule

Schule

19

Hegerhaus
Grafengrün

(Altes) Hegerhaus

5

Feiler

Girdlan/Feilern

20

Hegerhaus

Hegerhaus

6

Schneider

Honslån

21

Dierl

Wewa Franz

7

Huber

Bapisten Tone

22

Dierl

Hånnlan

8

Schauberger

Lehra Tone

23

Lanzendörfer

Mühlkonasn

9

Hübner

Himan (Wewa)

24

Richt

BistnToni

10

Lampalzer

Girgn

25

Lampalzer

Maura Rosl

11

Schauberger

Lehrer Res/Voitn

26

Dierl

Wewa Seff/ Hånnl Bepp

12

Lampalzer

Voitn Lena/Voitn Marie

27

Lanzendörfer

Voin Nannl

13

Huber

Koarlån

28

Dierl

Hånl Ernst

14

Lampalzer

Maurån

29

Richt

Bistn Franz

15

Hültner

Såwlan

 

 

 

(KARTE)

Die Entstehung des Dorfes bleibt mit der wechselvollen Geschichte der Herrschaft Tachau verknüpft. Es gehörte zu Böhmen und seit 1867 zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn mit dem Kaiser in Wien.

Mit einem "Jägerhaus", das später die Nr.1 erhielt, begann 1667 die Besiedlung. Gegen "Zins und Arbeitsleistung" hatte der Fürst den ersten Siedlern "Waldgründe, Ödungen und Gestrüpp zum Aufreißen und Ausroden zum Genusse" überlassen. Dass 40 Jahre später erst zwei weitere "Häuseln" als "Herberge für Waldhacker" standen, zeugt von armseligen Anfängen und einer beschwerlichen Entwicklung.

1781 gelangte Lohhäuser in den Besitz der Tachauer Herrschaft von Johann Niklas Reichsgraf von Windisch-Grätz. Das Dorf begann, sich zu entwickeln. 1798 standen mit einer Glashütte wenigstens acht Häuser.

Bereits 1782 existierte eine kleine Glashütte, eine Schule, wie in Schmelzthal, ein Försterhaus, zwei Mühlen und eine Steinglasknopf-Fabrik. Die produzierten Glasperlen und bunte Hemdenknöpfe wurden bis nach Amerika exportiert. Um 1816, also zur Zeit des Wiener Kongresses, verfiel die Glashütte. Doch Fürst Windisch-Grätz ließ sie wieder aufleben. Zwei Jahre vor dem Revolutionsjahr 1848 stand "dieselbe als Glasperlfabrik im höchsten Flore", berichtet das "Gedenkbuch der Pfarre Dreyhacken" von 1846. Lohhäuser zählte derzeit 18 Häuser mit 159 Einwohnern. Der Fürst hatte die Glashütte an den Betriebsleiter Schönberger verpachtet. Über 100 Mann aus dem Dorf und den benachbarten Orten arbeiteten in Tag- und Nachtschicht an zwei Schmelzöfen mit 12 Schmelzhäfen. Bayerische
Bauern, "Glasbauern" genannt, lieferten mit ihren Fuhrwerken den Glassand. Als man den Hüttenmeister Schönberger 1872 ermordete, versetzte man der Glashütte den Todesstoß.

Seit 1835 besaß Lohhäuser das Recht auf eine eigene Schule. Bis zum Errichten eines eigenen Schulgebäudes im Jahr 1893 unterrichteten die Lehrer in angemieteten Stuben verschiedener Häuser (Wanderschule).

1888 wurde Lohhäuser, das bis dahin zu Tachauer Dreihacken gehört hatte, eine selbstständige Gemeinde. Als nach dem Ersten Weltkrieg 1918 die Donaumonarchie zerbrach, entstand aus Böhmen
die Tschechoslowakische Republik und alle Bewohner wurden tschechische Staatsbürger. Um den Forst zu verwalten, kamen tschechische Förster nach Lohhäuser. Nach dem Münchener Abkommen 1938 und dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich wechselte die Staatsbürgerschaft wieder.

Dem Ende des Zweiten Weltkrieges folgten 1945 die Aberkennung der deutschen und tschechischen Staatsbürgerschaft, die Enteignung und 1946 die Vertreibung der deutschen Bewohner. Anschließend wurde das Dorf dem Erdboden gleichgemacht und sein Name verschwand von der Landkarte.

Als historischer Rest erinnert noch das Kriegerdenkmal und im ehemaligen Nachbarort Grafengrün, der jetzt "Haj" heißt, das einzige damals zur Gemeinde Lohhäuser zählende (Heger-)Haus.

2003 übernahm die Marktgemeinde Mähring die Patenschaft über das verschwundene Dorf. Eine Museumsstube im alten Rathaus dokumentiert seit 2007 seine Geschichte.

Lohhäuser - das verschwundene Dorf (um 1950)

Der Name

"Finkenschlag" nennt das Kirchenbuch in Dreihacken (Tri Sekery) die Orts- oder Flurbezeichnung bis 1793. Naheliegend scheint, dass man den gerodeten Waldschlag nach den Finken benannte, deren Gesang (Schlagen) aus der Vogelwelt dieses Flurstückes besonders hervorstach. Singvögel hielten die Bewohner des Walddorfes in fast jedem Haus noch bis zum Ende des Krieges.

1794 wird der Ort erstmals als "Finkenschlag oder Lohhäuser" bezeichnet und drei Jahre später "Lohhäuseln" genannt. Nach 1838 nennt man den Ort "Lochhausen", "Lohhäusel", "Lochhäuser" und schließlich "Lohhäuser".

Abgeleitet wird der Name von "Häuser im Loh", was soviel wie in den Waldsümpfen bedeutet. Als "Loh", "Lohe" oder "löh(ch) / lo(h)" wird nämlich eine sumpfige, torfige Gegend und niederes Gehölz und Gebüsch benannt, auch eine Rinde zum Gerben. Die Waldhäuser, Lochhäuser, Häuser in der Lohe, erhielten also von den torfigen Sümpfen (Lohen/Lachen) in der Umgebung ihren Namen. Auf alten Flurkarten finden sich um das Dorf viele Bezeichnungen mit Lohe, wie: Bärenlohe, Weiße Lohe, brennte Lohe, Hühnersteiglohe, Klenlohe oder Biedellohe. Von "Louhaisa" oder "Luachhaisa" sprachen die Menschen in ihrer Mundart. Auswärtige nannten seine Bewohner "Lochånå" und "Lochåner", auch "Lohhäuserer" oder "Locherer", was weniger mundartlich klang.

1948 ersetzten die kommunistischen Tschechen den Ortsnamen "Lohhäuser” durch die Flurbezeichnung “Slatina”. Die Bezirksverwaltung Marienbad soll “Třislova” (Třislo = Lohe) vorgeschlagen haben, gewählt worden sei aber der Name Slatina, was soviel wie Wüstung oder Moorgrund bedeutet, die Bezeichnung für einen aufgelassenen Ort. Spätestens damit endet die fast 280-jährige Geschichte des Dorfes.

Literaturhinweise (Auszug)

- Buchtele, Zdenek/ Svandrlik, Richard: Lohhäuser – Slatina. přibĕh zaniklé vesnice.
  Marianske Lazne 2006.

- Franzen, K. Erik: Die Vertriebenen. Hitlers letzte Opfer. München 2002.

- Heimatbuch Marienbad Stadt und Land. Bd.II. hrsg. vom Heimatverband der
  Marienbader Stadt und Land e.V.. Geisenfeld 1977.

- Hoensch, Jörg K.: Geschichte Böhmens. Von der slawischen Landnahme bis
  zur Gegenwart.3.Aufl., München 1997.

- Hofmann, Erwin: Die Grenze von Mähring im 17. Jahrhundert, in: Oberpfälzer
  Heimat 1997, Bd. 41,S.105f.; Die Grenze von Mähring im 18. Jahrhundert, in:
  Oberpfälzer Heimat 1998, Bd.42, S.101 ff.

- Mühlbauer, Georg: Gemeinde-Gedenkbuch Lohhäuser (Finkenschlag). Lohhäuser
  1935-1943. Archiv Mestske Museum Marianske Lazne [Stadtmuseum Marienbad].

- Ders.: Erinnerungen an Lohhäuser, in: Marienbad-Tepler Heimatbrief 1953,
  S. 120-122/144-145.

- Procházka, Zdenék: Glasindustrie im Böhmischen Wald. Eine Topographie der
  Glas-, Schleif- und Polierwerke, Westböhmen – historischer Führer Nr.3
  [deutsch und tschechisch]. Domažlice 1999.

- Prökl, Vinzenz: Eger und das Egerland. Falkenau 1877.

- Schaller, Jaroslaus: Topographie des Königreichs Böhmen. 9. Theil Pilsener
  Kreis. Prag und Wien 1788.

- Schmidt, Rudi: Vom Kaiserwald zum Tillenberg. Selbstverlag der ARGE
  Bad Königswart. Mönchengladbach 1975.

- Schneider, Karl: Lohhäuser – das verschwundene Dorf. Selbstverlag,
  (3.) Sonderaufl., Syke 2006.

- Stocköw, Joseph: Geschichte der Stadt Tachau mit teilweiser
  Berücksichtigung der Herrschaft Tachau. Bd. II. Kulturgeschichte. Tachau 1878.

- Tschechien: Informationen zur politischen Bildung Nr.276, 3/2002.

- Weidl, Georg/ Urban, Michl/ Hammmer, Ludwig: Heimatkunde des
  politischen Bezirkes Plan. Plan-Königswarter Bezirkslehrerverein (Hrsg.).
  Plan 1896.

- Zmizele Sdety/ Das verschwundene Sudetenland: Der Katalog zur
  Ausstellung, hrsg. v. Die Bürgerinitiative Antikomplex. Taus 2004.

Chronologische Daten

1667

begann die Besiedlung mit einem Jägerhaus (Nr.1) im "Finkenschlag" unter der böhmischen Herrschaft Johann Anton Graf Losy von Losimthal.

Neudorf bei Kuttenplan war die Kirchengemeinde.

1781

standen in "Lochhäusel" sechs Häuser mit Zinsgründen, als Johann Niklas Reichsgraf von Windisch-Grätz die Herrschaft übernahm.

1782

produzierte eine Glashütte bis etwa 1816 schwarze, weiße und bunte Hemdenknöpfe, die bis nach Amerika exportiert wurden.

1787

gehörte das Dorf zur neu errichteten Kirchengemeinde Dreihacken.

1797

war aus "Finkenschlag" (Lochhäusel, Lochhäuser, Lohhäusel) der Ortsname "Lohhäuser" entstanden.

1835

erhielt Lohhäuser das Recht auf eine eigene Schule. Bis zum Errichten eines eigenen Schulgebäudes wurde in angemieteten Stuben unterrichtet (Wanderschule).

1848

zählte Lohhäuser 18 Häuser und 167 Einwohner.

1867

gehörte Böhmen zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.

1868

hatte Fürst Windisch-Grätz die Glashütte wieder aktiviert. An 12 Schmelzhäfen beschäftigte er aus den umliegenden Orten über 100 Arbeiter, die rund um die Uhr Glasknöpfe produzierten. Als der Hüttenmeister Josef Schönberger 1872 ermordet wurde, ging der Betrieb ein.

1883

zählte Lohhäuser 19 Häuser und 161 Einwohner.

1888

wurde Lohhäuser, das bisher zur Gemeinde "Tachauer Dreihacken" gehörte, als Gemeinde selbstständig.

1893

konnte in Lohhäuser ein eigenes Schulhaus errichtet werden.

1918

bekamen die Bewohner Böhmens die tschechische Staatsbürgerschaft. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Donau-Monarchie war die Tschechoslowakische Republik (ČSR) entstanden.

1920

eröffnete Adolf Lampalzer (Haus Nr.10) die zweite Gaststätte mit einer Kegelbahn und einer Bühne, die für viele Theatervorführungen genutzt wurde.

1921

fanden die ersten freien Wahlen für Gemeinde- und Bezirksvertreter statt. Durch den Ort wurde die Bezirksstraße bis zur Grenze nach Mähring fertiggestellt.

1925

errichteten die Bewohner für die Toten des Dorfes im Ersten Weltkrieg ein Denkmal.

1928

wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

1935

erhielt der tschechische Förster Hugo Janovsky die Ehrenbürgerschaft.

1938

wechselte mit dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich die Staatsbürgerschaft.

1945

erfolgte nach Kriegsende die Besetzung des Dorfes durch amerikanische Truppen, dann durch tschechische Miliz.

1946

wurden die Bewohner des Dorfes als Deutsche enteignet und vertrieben. Die 29 leerstehenden Häuser wurden ausgeplündert und nach 1947 zerstört.

1993

konnte das zerstörte Denkmal wieder aufgerichtet und mit einer neuen Tafel versehen werden.

2003

übernahm die benachbarte bayerische Marktgemeinde Mähring eine Patenschaft über das verschwundene Dorf.

2007

konnte in Mähring mit dem Heimatverein eine Museumsstube für Lohhäuser eingerichtet werden.

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