Markt Mähring  | Dienstag, 19. Juni 2018
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Die Grenzöffnung 1990

Das Kriegerdenkmal am 1. Mai 1990

Am Ende des Zweiten Weltkrieges hatte sich zwischen dem kommunistisch beherrschten Osten und dem Westen der "Eiserne Vorhang" gesenkt. Er blieb es fast 45 Jahre.

Am 1. Mai 1990 öffnete er sich am Grenzübergang von Mähring nach Promenhof, das heute Broumov heißt.
Zum ersten Mal in der Nachkriegszeit wurde es möglich, den 1946 verlassenen Boden wieder zu betreten. Viele Menschen hatten sich an diesem sonnigen Tag in Mähring eingefunden, das bisher durch die Grenze zum Osten hin abgeschnitten war. Vertreter der deutschen und der tschechischen Seite hielten Ansprachen.

Dann öffnete sich der Schlagbaum und eine große Menschenmenge wälzte sich auf der inzwischen befestigten Straße druch den Wald in Richtung Promenhof. Mit privaten Kraftfahrzeugen durfte die Straße noch nicht befahren werden. In den wenigen Bussen, die man zwischen Mähring und Marienbad eingesetzt hatte, drängten sich die Menschen dicht an dicht. Einige radelten über die Grenze.

Die Erwartung, den Ort der Kindheit vierundvierzig Jahre nach der Vertreibung erstmals wieder zu betreten, erzeugte Neugier und Spannung. Vieles stürzte dann ineineander: Freude und Fragen , Erinnerungen und Enttäuschungen, Gegenwart und Geschichte. Vielerlei Eindrücke ergriffen den Verstand und berührten die Gefühle: Die Straßenführung ohne Häuser, das dunkle Wasser des Lohbachs, unbebaute Felder und brach liegende Wiesen, das umgestürzte Kriegerdenkmal, verwilderte Obstbäume, eine alte Rosenhecke, hoch gewachsene Bäume, und Reste einer Grundmauer als Relikte dörflicher Vergangenheit.

Im Augenblick der Begegnung schien Verlorenes wieder zu schmerzen. Bilder aus Kindertagen wurden wach, wie an ein erlebtes Märchen mit dem Himmel auf Erden und die Vertreibung aus dem Paradies. Doch bei nüchternem Betrachten zeigten sich vertraute Erinnerungsbilder als fremd. Ein vermeintliches Paradies kann sich als Irrgarten erweisen. Ohne ihre Vertreibung hätte die Menschen vermutlich ein Schicksal wie die Menschen in der DDR erwartet: Wenigstens 45 Jahre kommunistische Diktatur. Manchmal werden Augenblicke des Wiedersehens von einer Nostalgie überlagert, die Nüchternes verdrängt, Vergangenes glorifiziert und Historisches verfälscht. Für die Zukunft mehr hinderlich als hilfreich. Vielleicht erinnert Eugen Roth mit seiner Lebensweisheit auch Menschen, die ähnliche Erfahrung machen mussten:

"Der Mensch blickt in die Zeit zurück und sieht, sein Unglück war sein Glück!"

1944 in Lohhäuser auf der Försterwiese. Im Vordergrund die drei Schneiderbuben (Von links: Siegbert, Karl, Josef); im Hintergrund links das Hegerhaus Nr. 20, rechts die Lohbachbrücke; im Hintergrund (Mitte) das Haus Nr. 5 (Feiler) mit dem vom Lohbachtal ansteigenden "Feiler Rang".
1990 am selben Standort und in derselben Aufstellung auf einer Wüstung gestanden.


Seit Mai 2004 gehört Tschechien zur Europäischen Union. Am 21. Dezember 2007 fielen die Kontrollstellen an der Binnengrenze zwischen Deutschland und Tschechien.

Wer hätte diese Entwicklung 1990 zu träumen gewagt?