Markt Mähring  | Freitag, 20. April 2018
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Erinnerung an die Patenschaft Mähring – Lohhäuser am 26. Juli 2003

Patenschaft Mähring –Lohhäuser am 26. Juli 2003

Für einige ehemalige Bewohner in Lohhäuser war die Anreise schon recht beschwerlich. Manche hatten Schwierigkeiten, ihre früheren Nachbarn wieder zu erkennen, die sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hatten. Und mit einem so überzeugenden Andrang von ehemaligen Bewohnern mit ihren Angehörigen und Gästen hatte niemand gerechnet. Rund achtzig Personen, allen voran die Marktgemeinderäte, füllten am "Annafest", am 26. Juli 2003, den Rathaussaal der Marktgemeinde Mähring in Großkonreuth zur Übernahme der Patenschaft über das ehemalige Nachbardorf.
Es waren bewegende Momente. Der Erste Bürgermeister Josef Schmidkonz und Prof. Karl Schneider als Sprecher für die ehemaligen Bewohner von Lohhäuser unterzeichneten die Urkunden. In der etwa fünfhundert Jahre älteren Geschichte der Marktgemeinde ist es die erste Patenschaft. Für Mähring ein historisches Ereignis, für Lohhäuser ein historischer Anker.

Der Erste Bürgermeister Josef Schmidkonz und Karl Schneider tauschten nach der Unterzeichnung der Urkunden Patengeschenke aus. Die Urkunde, ein Wandteller mit dem Mähringer Wappen und eine Patenuhr erinnern heute in der Museumsstube an dieses Ereignis.

Karl Schneider überreichte eine gerahmte Erinnerungs-Plakette und sein neues Buch "Lohhäuser – das verschwundene Dorf".

Die Sonne strahlte auch am Nachmittag. Die Marktgemeinde hatte mit der tschechischen Seite vereinbart, dass die Grenze direkt überschritten und Lohhäuser wie früher von der Mähringer Seite aus betreten bzw. mit zwei Pferdekutschen befahren werden konnte. Am Denkmal für die Kriegstoten, dem letzten historischen Rest des Dorfes, hatte sich auch Frau Strnadová,die tschechische Bürgermeisterin aus Dreihacken (Tři Sekery) eingefunden. Sie könne es kaum glauben, gab sie zu verstehen,dass auf diesen Fluren ein Dorf gestanden haben soll. Nach einer Gedenkminute für die Kriegstoten und für alle Opfer von Gewalt
und Vertreibung bewegten sich die meisten auf den Spuren ihrer Vergangenheit. Viele hatten den Boden ihrer Kindheit und Jugend seit der Vertreibung nicht wieder betreten. Ein 77-jähriger ehemaliger Bewohner, der trotz körperlicher Beschwerden angereist war, wollte einmal in seinem Leben noch heim, wie er vor dem Grenzübertritt sagt. Eigenartige Gefühle, von Abschied bis Zuversicht, begleiteten diesen Tag. Manchem überkam Wehmut, als er sich dann dort befand, wo früher sein Geburtshaus und seine Wiege standen.

Am Abend hießen die Plan-Weseritzer die neuen "Patenkinder" Mährings im Festzelt als Gäste willkommen. Der "Neue Tag" und der Plan-Weseritzer Heimatbrief berichteten über diesen Tag. Die Geschichte ging über Lohhäuser hinweg, doch die Verbundenheit mit Mähring wird bleiben.

Seit Mähring die Patenschaft übernommen hatte, fanden sich jährlich eine Woche vor dem Annafest ehemalige Bewohner mit ihren Angehörigen und an Lohhäuser Interessierte in Mähring ein. An diesen Tagen ermöglichte es die Gemeindeverwaltung,in Abstimmung mit der tschechischen Seite, die Grenze von Mähring aus direkt zu überschreiten. Alle Treffen begleiteten Vertreter der Marktgemeinde und des Heimatvereins Mähring sowie der tschechischen Seite. Dank guter Kontakte, die Josef Schneider und seine Frau Ilona, die fließend tschechisch spricht, geknüpft hatten, entstanden freundschaftliche Begegnungen.

In den folgenden Jahren machte Lohhäuser "Fortschritte": Das Denkmal erhielt ein neues Gesicht, einige Flur- und Wegekreuze richteten sich wieder auf, ein überdachter Rastplatz kam hinzu und ein Brunnen wurde eingeweiht.

Begrüßung nach mehr als 50 Jahren

Raten auf dem Rathausplatz: Wer ist wer?

Begrüßung auf dem Rathausvorplatz
Rund achtzig Personen füllten den Rathaussaal in Großkonreuth

Die neue Urkunde und das neue Buch.

Paten und Patenkinder vor dem Rathaus: Angehörige des Marktgemeinderates Mähring und ehemalige Bewohner aus Lohhäuser

Auf dem Weg von Mähring nach Lohhäuser zum Denkmal lagen noch andere Erinnerungen

Frau Dagmar Strnadová, die tschechische Bürgermeisterin von Dreihacken (Tři Sekery) und der Erste Bürgermeister Josef Schmidkonz begrüßen sich vor dem Denkmal für die Kriegstoten des Dorfes.
Die Geschichte des Denkmals erinnert an das vormals gute Verhältnis zu den tschechischen Förstern und an die Verbundenheit mit Mähring. Die Toten der Kriege mahnen zum Frieden.

Gedenkminute am Denkmal

Gelegenheit zum Gespräch. Ehemalige aus Lohhäuser und Mähringer Bürger erinnern sich an das verschwundene Dorf.

Kindheits- und Dorfgeschichte liegt unter den Füßen.