Markt Mähring  | Mittwoch, 20. Juni 2018
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Ein Relief und ein Rastplatz

Das Lohhäuser-Treffen am 23. Juli 2005 in Mähring sei außerordentlich gut besucht gewesen, schrieb Frau Gisela Wildner in der Tageszeitung "Der Neue Tag". Aus Nord- und Süddeutschland hatten sich viele ehemalige Dorfbewohner mit ihren Angehörigen eingefunden. Auch der Erste Bürgermeister der Marktgemeinde, Josef Schmidkonz, freute sich über die vielen am Vormittag zum "Ferienhof Kraus" Angereisten. Erstmals begrüßt werden konnte die tschechische Bürgermeisterin Jaroslava Chabicovska aus Altwasser (Stara Voda) und Förster Bedrieh Podhajsky aus Schöntal (Krasne).

Das ehemalige Lohhäuser gehört heute zur Gemeindeverwaltung nach Altwasser und zur Forstverwaltung nach Schöntal.Zdenek Buchtele aus Groß Sichdichfür (Velka Hledsebe) und Richard Svandrlik aus Marienbad, die bisher schon "Lohhäuser"unterstützten und bereits im Vorjahr zu Gast waren, übergaben ein von Zdenek gefertigtes maßstabgetreues Relief von Lohhäuser für die "Lohhäuser-Stube".

Ing. Richard Svandrlik (links) und Zdenek Buchtele stellen das Lohhäuser-Relief vor.

Auch der aus Mähring stammende Maler Alfred Müller hatte für die Museumsstube zwei Bilder von Lohhäuser gemalt und aus München an die Gemeinde geschickt. Ein Gemälde von ihm, das 1950 entstand und Ruinen des teilweise zerstörten Dorfes zeigt, hatte sein Bruder Alois bereits für die Stube gestiftet (nachzulesen in "Lohhäuser – das verschwundene Dorf").

Dem Grenzgang folgte am Nachmittag ein weiterer Höhepunkt.

Wo einst das Haus von Hübner (Nr. 9 "Hima") und das Gasthaus Lampalzer (Nr.10 "Girgn") standen, errichtete der Forst für Wanderer und Radfahrer einen überdachten Rastplatz. Für Müde zum Ausruhen und für Erholungsuchende die schöne Aussicht über das Lohbachtal, über die Grenze und Mähring hinweg, zu genießen.
 
An der Außenseite des Pavillons erinnert eine Tafel mit einem Ortsplan von Lohhäuser an die Geschichte des verschwundenen Dorfes. Die chronologischen Daten lassen sich in deutscher, englischer und
tschechischer Sprache lesen. Die Enthüllung dieser Tafel durch die tschechische Bürgermeisterin Jaroslava Chabičovska bildete am 23. Juli 2005 einen weiteren Höhepunkt des jährlichen Treffens.

Der Name "Lohhäuser", der seit der Zerstörung verschwunden war, kehrte wieder an seinen Ort zurück. Grund genug, mit einem Glas Sekt anzusstoßen und auf künftige gute Begegnungen zu trinken.

Auf der folgenden Seite wird ein Auszug der 2005 und 2006 aus dem Tschechischen von Ilona Schneider übersetzten Eintragungen wiedergegeben. Alle Unterschriften - sie waren teilweise unleserlich - wurden weggelassen.

24.7.2005: "Wir sind traurig über die Tragik dieses Ortes. Mein Vater hatte hier gezwungenermaßen im Jahre 1959 als Soldat gedient und ich, sein Sohn, habe heute meine Familie zu diesem Platz gebracht, damit wir die Vergangenheit sehen und besser begreifen."

30.7.2005: "Das ist fabelhaft! Nicht einmal auf der neuesten Karte findet man diesen Ort. Danke für die prächtige Arbeit."

2.8.2005: "Es ist hier sehr schön aber schade, dass diese Ortschaft nicht mehr da ist. Dank der Kommunisten."

6.8.2005: "Nach vielen Jahren bin ich wieder da. Damals habe ich hier Gänse gehütet. Heute habe ich meine treue Seele, meinen Hund (Cockerspaniel) dabei. Ich habe Tränen in den Augen."

12.8.2005: "Nach Jahrzehnten verlassenes und trauriges Land, lebt wieder auf durch die Anwesenheit von Menschen. Hoffe, dass dieser unermesslich raue Teil unseres schönen Landes das Vertrauen und die Gastfreundschaft zurückgewinnt."

Ohne Datum (Ende August/Anfang September 2005): "Danke dem Forst und den Leuten die hier solche Sachen machen. Sie erinnern an die komische Zeit, auch an die Menschen die nichts damit zu tun hatten und weg mussten aus ihren Häusern. Vergesst es nicht. Wohne nicht weit von hier. So ein Ort ist einmalig! [In Deutsch:] Ich danke Ihnen."

1.9.2005: "Herrlicher Platz, schöne Aussicht, Freude und Belohnung für jeden Besucher, der hier ankommt."

8.9.2005: "Dank für die schöne Idee und Ausführung. Es ist hier sehr schön und auch beruhigend, dass nach zwei Monaten der Altan immer noch in gutem Zustand und nicht zerstört ist. Wünschen, dass dieser Ort allen Besuchern Freude macht über die Schönheit und Geschichte."

13.10.2005: "Noch ist es schön. Schade, dass nicht alle überleben konnten am Ort des Glücks. Aber aufpassen auf Kommunisten – Faschisten und ähnliches Pack."

28.10.2005: "Es ist hier wunderschön, ruhig und ein herrliches Wetter. […] Bei Wanderungen durch Egerische und Böhmische Wälder stoßen wir immer wieder auf solche Ortschaften. ‚Dank der Kommunisten’ erfahren wir davon sehr wenig. Augenzeugen beteiligt euch mit uns an eueren Erinnerungen. Danke."

13.5.2006: Ortschaft vernichtet, bis zum bitteren Ende. Heute nur Ruhe und Aussicht. Es fehlen die Menschen."

7.6.2006: "Besuchte diesen Ort, bezaubert von Schönheit und Ruhe, die mich sehr berührt hat."

11.6.2006: "Ich war hier ohne Krieg und zur Heilung meiner Frau. Hier könnten die Bürger friedlich leben. Nie mehr Krieg."

24.6.006: "Schönen Tag verbracht am schönen Platz. Mit jedem Jahr wird es hier schöner."

6.7.2006: "Dank der Böhmischen Wälder und für die schöne touristische Einrichtung. Jetzt ärgern uns die Fliegen und wir ärgern uns über die bolschewistische Ära der fünfziger Jahre."

14.7.2006: "Es ist ein seltsames Gefühl auf einem Platz eines ehemaligen Ortes zu sein. Nirgends ist jemand, nur Schmetterlinge, Vögel, Pflanzen und tiefe Wälder. Hier ist es schön."

19.7.2006: "Ihr habt es hier sehr schön, aber schöner wäre es mit dem ursprünglichen Gasthaus und Bewohnern."

22.7.2006: "Wandere seit Beginn im Böhmerwald. Bin sehr verärgert über uns Tschechen. So viele untergegangene Ortschaften findet man wohl in ganz Europa nicht […]".

29.7.2006: "Danke allen Menschen, die für uns, ohne Ansprüche zu stellen, diese Plätze schaffen." 8.8.2006: "Es ist wunderbar, dass sich Leute finden, die sich nicht nur um ihren Garten kümmern. Sie erinnern uns und unsere Kinder an die absurde Zeit, die das Leben, nicht nur in unserem Grenzgebiet, vernichtet hat. Danke."

9.8.2006: "Wir vergessen nicht die Ursache. Wir verurteilen die Folgen."

11.8.2006: Endlich können wir uns wieder auf den Gebieten frei bewegen, die in unseren jungen Jahren abgesperrt waren. Danke allen, die sich an der Verschönerung des Denkmals beteiligt haben."

16.8.2006: "Schreckliche Zeit, aber herrliches Land. Von den Türmen aus haben wir in den freien Westen geschaut und haben unsere Tränen unterdrückt. Endlich ist es auch hier so. Wir schätzen das."

29.8.2006: "In den Jahren 1985 – 1987 habe ich hier in der Kompanie PS Slatina – (Lohhäuser) gedient. Bin froh, dass ich mich jetzt hier mit meinen Kindern frei bewegen kann."

9.9.2006: "Es ist hier wunderschön – Danke."

11.9.2006: "Auf diesem Platz ist es näher zu Gott. Danke für die Erbauung dieses Altans."

30.9.2006: "Was passiert ist kann man nicht mehr rückgängig machen."

30.9.2006: "Habe gedacht, es gibt keine schönen Flecken auf Erden, aber es gibt sie."